Die Evangelische Kirche und
die Deutsche Nation
1930

Mit maßgeblicher Unterstützung aus der evangelischen Kirche bekämpft die NSDAP immer heftiger die Weimarer Demokratie. Und mit Hilfe aus der evangelischen Kirche beginnt nun der Aufstieg der NSDAP von einer "Splitterpartei" zu einer "Volkspartei".

1930 - "Sektenerhebung" der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern - Mit einem umfangreichen Fragebogen an die Kirchengemeinden will die evangelisch-lutherische Kirche alle Personen in ihrem Wirkungskreis erfassen, die einer "Sekte" angehören. Dazu werden gerechnet: Baptisten, Zeugen Jehovas, Neuapostolische, Spiritisten, Adventisten, Pfingstler, Neutäufer, Mennoniten, Methodisten, Creglianer, Darbyisten, Hörgerianer, Jerusalemsbrüder, "Vereinigte Brüder in Christo", Irvingianer usw.
Die Erhebung dient als Grundlage, um auch konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung vorzunehmen, wie z. B. gegen die Zeugen Jehovas
  • (Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Jahrgang 1967, S. 326).


  • 11.11.1930 - Das
  • Deutsche Pfarrerblatt
  • veröffentlicht einen Grundsatzbeitrag über das Verhältnis von NSDAP und Kirche. Der Autor, Pfarrer Friedrich Wienecke, erklärt es zu den Aufgaben der Männer der Kirche, in die "Tiefe der nationalsozialistischen Gedankenwelt" zu schauen und sich nicht durch "äußere Schönheitsfehler" wie Härte, Rohheit und Rachsucht abschrecken zu lassen. Unter der "rauen Schale" keime möglicherweise sogar "das beste Leben, das je aus der alten deutschen Eiche herauswuchs." Pfarrer Wienecke verweist in diesem Zusammenhang auf Hitlers Mein Kampf, wo Hitler den Deutschen die Hochachtung vor den Amtskirchen zur Pflicht macht.
    Die von Gott gewollte Aufgabe für die deutsche Politik sei nach Wienecke die Förderung des "arisch-germanischen Menschen." Die Aufgabe von Theologie und Pfarrerschaft sei es, zu helfen, dass die Nazi-Bewegung nicht verrausche, sondern dass sie, "erfüllt von göttlicher Kraft unserem Volk Gesundung bringe".

    1931

    7.1.1931 - Pfarrkonferenz mit 130 evangelischen Pfarrern in Steinach/Bayern: Das Thema des Hauptvortrags:
  • Der Nationalsozialismus - eine Frage an Kirchenvolk und Theologie. Der Referent, Pfarrer Eduard Putz, greift das Judentum an. Er verbindet die evangelische Gotteslehre mit dem Nationalsozialismus. Es sei Aufgabe der Kirche, dem Nationalsozialismus zu zeigen, "dass alle seine Ordnungen ohne Gott in der Luft hängen".

    Putz hält den Vortrag mehrfach, z. B. auch bei Pfarrkonferenzen in München und Nürnberg. Einige Pfarrer favorisieren zu diesem Zeitpunkt noch den ebenfalls "rechtsgerichteten" Christlich-sozialen Volksdienst (CVD), doch Pfarrer Putz bekennt 1934, er habe "seit dem Jahre 1929 ... durch ... Vorträge eine große Anzahl von Kollegen veranlasst, ... aktive Nationalsozialisten zu werden"
  • (zit. nach Mensing, a.a.O., S. 129 ff.).


  • Februar 1931 - Das Kirchenmitglied Georg Sinn schreibt im
  • Deutschen Pfarrerblatt
  • erneut an alle evangelischen Pfarrer. Der Nichttheologe verweist die Theologen auf Hitlers Buch
  • Mein Kampf,
  • das er gelesen und "erschüttert" weggelegt habe.
  • Mein Kampf
  • stehe im Gegensatz zum Christentum.
    Im Unterschied zu Sinns Ermahnung nimmt die Nazi-Begeisterung bei den meisten evangelischen Pfarrern aber weiter zu.

    1932

    Anfang 1932 - Ein evangelischer Pfarrer aus dem Dekanat Lohr/Main-Spessart, der sich "mit aller Kraft" "für die Herbeiführung des Dritten Reiches" einsetzt (lt. Dekan Jäger), versucht, in einem vollbesetzten Bus Stimmung gegen Juden zu machen.
    Als der Pfarrer den Bus betritt, sind alle Sitzplätze belegt, und auf einem der Plätze sitzt ein jüdischer Mitbürger. Als der evangelische Pfarrer ihn sieht, ruft er - gemäß Aussage des betroffenen Juden - laut in den Bus: "Für den Juden ist Platz, aber für mich nicht."

    Über den jüdischen Centralverein reicht der Bürger Beschwerde bei der evangelischen Kirchenleitung ein. Dort rechtfertigt sich der Pfarrer. Er habe nur gerufen: "Wenn nur die Juden Platz haben, das ist die Hauptsache." Die Kirchenleitung bittet den Pfarrer um "Zurückhaltung", was dieser in seiner Antwort von sich weist
  • (zit. nach Mensing, a.a.O., S. 106).


  • 1932 - Der Nationalsozialistische Evangelische Pfarrerbund (NSEP) wird gegründet.

    12.6.1932 - Die
  • Neue Zürcher Zeitung
  • in der Schweiz berichtet über die Evangelische Kirche in Deutschland: Viele führende Vertreter der evangelischen Kirche, v. a. aber die jüngeren Pastoren, sympathisierten mit Hitler und betätigten sich in der NSDAP. In beinahe allen Landeskirchen bestünden nationalsozialistische Pfarrer-Bünde. Die protestantische Kirche sei dabei, "Parteikirche" [der NSDAP] zu werden.

    1932 - Mit den Stimmen der NSDAP erreicht der katholische Reichskanzler und Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem, Franz von Papen, das Verbot der Freidenker-Bewegung in Deutschland. Franz von Papen wird am 30.1.1933 nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler dessen Vize-Kanzler. 1959 wird er vom Vatikan zum vatikanischen "Geheimkämmerer" erhoben.

    1933

    März 1933 - Nur ca. fünf Wochen nach der Kanzlerwahl finden erneut Reichstagswahlen in Deutschland statt. Die Abschlusskundgebung der NSDAP ist am 4.3.1933 in Königsberg. Hitler hält dort eine Rede. Darüber schreibt die
  • Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung:
  • "Millionen deutscher Christen hörten mit und sangen das Lied ´Wir treten zum Beten` mit, und als die Königsberger Glocken läuteten, stiegen in gleicher Stunde weithin Gebete zum Himmel auf, wie es wohl nie in der Geschichte Deutschlands geschah." Die evangelischen Kirchen unterstützen Hitler und die NSDAP mit weiter wachsender Begeisterung. Der größte Teil der Pfarrer zieht immer mehr Menschen auf die Seite der Nazis. Die NSDAP erhält diesmal 44 % der Stimmen. Von der anderen Seite her betrachtet: 56 % der Deutschen (!) können die Nazi-Begeisterung in der evangelischen Kirche noch nicht teilen und wählen noch anders.

    23.3.1933 - Adolf Hitler sieht in seiner Regierungserklärung die evangelische und die römisch-katholische Kirche als die wichtigste Basis für den Aufbau Nazi-Deutschlands an:
    Adolf Hitler im Reichstag in Berlin wörtlich: "Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen die wichtigsten Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums ... Ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Sie erwartet aber und hofft, dass die Arbeit an der nationalen und sittlichen Erneuerung unseres Volkes, die sich die Regierung zur Aufgabe gestellt hat, umgekehrt die gleiche Würdigung erfährt ... Der Kampf gegen eine materialistische Weltauffassung und für die Herstellung einer wirklichen Volksgemeinschaft dient ebenso sehr den Interessen der deutschen Nation wie denen unseres [!] christlichen Glaubens"
  • (zit. nach Joachim Beckmann, Kirchliches Jahrbuch für die Evangelische Kirche in Deutschland, 1933-1944, Gütersloh 1948, S. 23).


  • 24.3.1933 - Ermächtigungsgesetz - Der deutsche Reichstag überträgt mit 2/3-Mehrheit die gesamte, auch die Verfassung ändernde Gesetzgebung zunächst für vier Jahre auf Adolf Hitler. Das so genannte "Ermächtigungsgesetz" wird später mehrfach verlängert. Auch die katholische Zentrumspartei stimmte unter der Bedingung zu, dass Nazi-Deutschland mit dem Vatikan ein Konkordat abschließt, was die Strategen im Vatikan gerne vorbereiten und was am 20.7.1933 auch verabschiedet wird. Der Vatikan braucht die Zentrumspartei nun nicht mehr, da man über das Konkordat direkt mit Nazi-Deutschland in Freundschaft verbunden war. Die Zentrumspartei löste sich dann am 5.7.1933 auf.

    28.3.1933 - Die katholischen Bischöfe widerrufen ihre frühere Ablehnung des Nationalsozialismus. Nachdem die katholischen Bischöfe bislang - im Unterschied zum Protestantismus - die Mitgliedschaft in der NSDAP verboten hatten, heben sie in einer Kundgebung das Verbot der NSDAP-Parteimitgliedschaft am 28.3.1933 auf. Ausschlaggebend ist die Zusicherung der "Unverletzlichkeit des katholischen Glaubens" durch Adolf Hitler
  • (in: H. Müller, Katholische Kirche und Nationalsozialismus, dtv-Taschenbuch 1965, S. 88 f.; zit. nach Georg Denzler/Volker Fabricius, Christen und Nationalsozialisten, Frankfurt am Main 1991, S. 60).


  • 4.4.1933 - Rede des evangelischen Generalsuperintendenten (und nach dem Krieg EKD-Chefs) Otto Dibelius über Kurzwelle. Die Rede ist vor allem an die Protestanten der USA gerichtet:
    Der Boykott gegen die Juden sei "in Ruhe und Ordnung" verlaufen. Die Kirche "kann und darf den Staat nicht daran hindern, mit harten Maßnahmen Ordnung zu schaffen ... Sie werden es erleben, dass das, was jetzt in Deutschland vor sich geht, zu einem Ziele führen wird, für das jeder dankbar sein kann, der deutsches Wesen liebt und ehrt"
  • (zit. nach Beuys, a.a.O., S. 533 f.).
  • Die Kirche habe weiterhin aber auch "den Wunsch, das Dritte Reich möge bald so gefestigt sein, dass ´die Gewalt nicht mehr nötig ist`"
  • (Otto Dibelius, zit. nach "Verrat unter Brüdern", einestages.spiegel.de, 17.2.2008).


  • 7.4.1933 - Arierparagraph bzw.
  • Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Ausschluss aller Juden aus dem öffentlichen Dienst (vgl. Synode von Clermont im Jahr 535: Juden dürfen keine öffentlichen Ämter bekleiden).


  • 8.4.1933 - Die Nationalsozialisten bedanken sich bei den obersten Behörden der evangelischen Kirche für die Verteidigung des Boykotts gegen die Juden. Aus der Reichskanzlei wird dem Evangelischen Oberkirchenrat unter Leitung von Präsident Hermann Kapler im Namen des Reichskanzlers (= Hitler) "für den energischen Protest gegen die ausländische jüdische Gräuelhetze ausdrücklich der Dank ausgesprochen"
  • (zit. nach Juden-Christen-Deutsche 1, a.a.O., S. 150).


  • Neues evangelisches Gutachten:
    Ausschaltung der Juden als "Fremdkörper im Volksleben"

    22.4.1933 - Jüdische Ärzte werden von der Tätigkeit für Krankenkassen ausgeschlossen.

    24.4.1933 - Der
  • Evangelische Volksbund
  • begrüßt das Verbot der Zeugen Jehovas in Württemberg als Ausdruck einer "Bundesgenossenschaft zwischen Staat und Kirche".

    25.4.1933 - Weitgehende Beschränkung der Zahl jüdischer Studenten
  • (vgl. Konzil von Basel im Jahr 1434: Juden dürfen keine akademischen Grade erwerben)


  • 26.4.1933 - Ein neues evangelisches Gutachten unter dem Titel Die Kirche und die Judenfrage wird im Kirchenausschuss des Kirchenbundesamtes in Berlin vorgelegt. Präsident Hermann Kapler hatte den bayerischen Pfarrer Walter Künneth mit dem Gutachten beauftragt. Künneth ist Leiter der überregionalen
  • Apologetischen Zentrale
  • in Berlin und arbeitet dort als eine Art "Sektenbeauftragter". Das Gutachten wird innerhalb der evangelischen Kirchen zur maßgeblichen Richtschnur:
    Darin heißt es: "Insbesondere erweist sich diese Neuregelung erforderlich infolge des Überhandnehmens des jüdischen Einflusses, der die Gefahr einer Überwucherung des deutschen Geistes im gesamten deutschen Öffentlichkeitsleben bedeutet".

    "Zum Dienst am deutschen Volk berufen, hat die Kirche darüber zu wachen, dass einerseits im Blick auf die besondere Lage dieses Volkes der Verkündigung keine Hemmung durch zu starkes Hervortreten des judenchristlichen Elementes in der Kirche bereitet wird und dass andererseits die übergreifende Einheit des christlichen Glaubens nicht verletzt wird."
    Weiter heißt es: "Bei aller grundsätzlichen Anerkennung des Rechtes einer staatlichen Ausnahmegesetzgebung für Juden ist vom christlichen Standort aus eine Abstufung der Gesetzgebung zu fordern, die zwischen Juden und Judenchristen unterscheidet."

    Das Gutachten fasst zusammen: "Die Kirche hat sich dafür einzusetzen, dass die Ausschaltung der Juden als Fremdkörper im Volksleben sich nicht in einer dem christlichen Ethos widersprechenden Weise vollzieht. Gegen jede Art von gewaltsamer Judenverfolgung, welche das Ansehen des nationalen Staates schädigt und das Recht der Abwehr gegen Überfremdung diskreditiert, ist deshalb von der Kirche aus Einspruch zu erheben"
  • (LKA Stuttgart: 116a IV, Altreg.; zit. nach Juden-Christen-Deutsche 1, a.a.O., S. 369-371).


  • 26.4.1933 - Adolf Hitler beruft sich auf die kirchliche Tradition: Am gleichen Tag, an dem die Evangelische Kirche ihr neues Gutachten über die "Judenfrage" zunächst intern veröffentlicht, rechtfertigt Adolf Hitler in einem Gespräch mit dem katholischen Bischof Dr. Hermann Wilhelm Berning von Osnabrück die Judenverfolgung damit, "dass er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirchen in 1500 Jahren gegen sie getan habe"
  • (zit. nach Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S. 406).


  • Und offenbar weist Hitler auch bei anderen Gesprächen mit den Kirchenführern darauf hin. So heißt es weiter: "Adolf Hitler beruft sich selbst, so auch im Gespräch mit [dem katholischen] Kardinal Faulhaber, - offenbar, ohne Widerspruch zu finden - darauf, dass er nur tue, was die Kirche eineinhalb Jahrtausende lang lehrte und den Juden gegenüber praktizierte"
  • (Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Esslingen 1967, S. 10).
  • Und vor allem im Hinblick auf die Evangelischen erklärt Hitler, "er wisse sich in der Judenfrage mit Luther eins"
  • (Böhm, a.a.O., S. 235).


  • April 1933 -
  • Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
  • über Hitler: "Wir sehen in ihm ein Werkzeug der göttlichen Vorsehung ... Möchte er das, was er kraftvoll begann, vollenden dürfen zum Segen unseres Volkes und unserer evangelischen Kirche"
  • (Jahrgang 1933, S. 215).


  • 1.5.1933 - Auf Anweisung des
  • Landeskirchenrats der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
  • müssen die evangelischen Pfarrer Münchens mit Hakenkreuzbinde an der Nazi-Massenkundgebung auf der Theresienwiese teilnehmen
  • (Vollnhals, a.a.O., S. 126).


  • 4.5.1933 - Hans Meiser wird in Bayreuth zum ersten bayerischen Landesbischof gewählt, nachdem sein Vorgänger, Kirchenpräsident Friedrich Veit, am 11.4.1933 wegen Vorbehalten gegenüber den Nationalsozialisten vom Landeskirchenrat aus dem Amt gedrängt worden war. Veit scheint nicht der geeignete Mann, um den Nazis zu "huldigen". Gleichzeitig wird in dem
  • Gesetz über die Ermächtigung des Landesbischofs zum Erlass von Kirchengesetzen
  • das" Führerprinzip in der Kirche eingeführt "- parallel zum staatlichen Ermächtigungsgesetz für Hitler. Damit kopiert die Kirche mit Begeisterung die staatliche Entwicklung. Die bayerische Landessynode entmachtet sich damit selbst zugunsten ihres "Führers" Hans Meiser. "Geben wir dem Mann, der die Führung haben soll, nun wirklich den Führerstab in die Hand" (Der Münchner Dekan Friedrich Langenfaß über Meiser; zit. nach Erlanger Nachrichten, 27.8.1993).

    Anmerkung: In Gedenken an diesen historischen Tag, an dem die evangelische Kirche die innerkirchliche Demokratie durch das Führerprinzip ersetzt hatte, wird am 3. bzw. 4.5.2008 der Gemeindesaal der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Obermenzing (Carolinenkirche) in Hans-Meiser-Saal umbenannt.

    5.5.1933 - Der römisch-katholische Kardinal Michael Faulhaber bedankt sich in einem Brief an die bayerische Staatsregierung, "dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen Regierung manches gebessert hat: " Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher können nicht mehr ihre amerikanisch kommunistische Tätigkeit entfalten"
  • (Akten Deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945, Teil I, Mainz 1968, S. 259, Anm. 17; zit. nach Garbe, a.a.O., S. 9).


  • 1.6.1933 - Der bekannte "Tübinger Theologieprofessor Gerhard Kittel (Herausgeber des Standardwerkes
  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament)
  • warnt in einem Vortrag unter dem Titel
  • Die Judenfrage
  • vor der "Durchsetzung des deutschen Volkskörpers mit zahllosen Mischlingen". Der Vortrag erscheint kurz darauf als Buch. Darin kritisiert der Theologe auch die Mediziner " "aus dem Judentum": "Aus ihm kommt eine ärztliche Wissenschaft, deren Ziel das Geldverdienen und nicht die Gesundheit des Volkes ist"
  • (zit. nach Juden-Christen-Deutsche 1, a.a.O., S. 169 f.).
  • Kittel spricht sich für den " Status des Judentums als "nicht assimilierter Gast" aus, der "auf jeden maßgebenden Einfluss verzichten muss" in den Dingen, die deutsches Staats- und Volksleben, deutsche Kultur und deutsche Geistesbildung betreffen." " Das "´echte Judentum` nimmt ... diesen Zustand als Gericht Gottes über den Ungehorsam Israels" und würde sich nicht dagegen wehren."

    9.6.1933 - " Zusammenkunft von NS-Vertretern der Ministerien in Preußen und der Gestapo mit Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche in Berlin. Viele Kirchenvertreter fordern das Verbot der Zeugen Jehovas. So bittet auf diesem Treffen z. B. der katholische Domkapitular Ferdinand Piontek um "strenge staatliche Maßnahmen" gegen diese Gemeinschaft. Und der anwesende evangelische Oberkonsistorialrat D. Fischer will ein Verbot der Zeugen Jehovas wegen der Gefahr für das "deutsche Volkstum"." Darüber hinaus vertritt er die Auffassung, dass die Kirche auch "mit ihren eigenen Mitteln" entgegentreten müsse
  • (Protokoll der Besprechung im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung; Ev. Zentralarchiv, 7 / Generalia XII. Nr. 161; zit. nach Garbe, a.a.O., S. 10).
  • Zwei Wochen später werden die Zeugen Jehovas verboten.

    19.6.1933 - Das "Verbot der Zeugen Jehovas in Württemberg" wird vom dortigen Innenminister im
  • Württembergischen Staatsanzeiger
  • erklärt:
    "Diese zersetzende Tätigkeit, die einen Missbrauch des Rechts auf freie Meinungsäußerung darstellt und geeignet ist, nicht nur in einzelne Familien, sondern in ganze Gemeinden religiöse Zwietracht hineinzutragen, ist mit dem Gedanken einer christlichen deutschen Volksgemeinschaft unvereinbar und kann daher vom Staate nicht länger geduldet werden"
  • (Nr. 139 vom 19.6.1933; zit. nach Garbe, a.a.O., S. 10).


  • 23.6.1933 - Grußwort des Herrn Landesbischofs an die evangelische Jugend:
    "... Ich weiß und erkenne dankbar an, dass die einzelnen Verbände jeder in seiner Art in den vergangenen Jahren der Kirche und darüber hinaus dem ganzen deutschen Volke dadurch wertvolle Dienste erwiesen haben, dass sie treu im evangelischen Glauben sich als Damm gegen die Volkszersetzung des Bolschewismus und des Freidenkertums bewährt haben. Der Gottlosigkeit sind heute unter den neuen Verhältnissen manche Kanäle abgegraben; ... So tue, evangelische Jugend, dein Werk und der Herr der Kirche wolle es in Gnaden fördern! München, den 23. Juni 1933 - Der Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche in Bayern r. d. Rhs; D. Meiser"
  • (zit. nach Amtsblatt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern Nr. 16 vom 29.6.1933).


  • 1933 - Lutherischer Generalsuperintendent Knolle aus Lübeck feiert Martin Luther:
    "Ewigkeit und Deutschtum begegnen sich in seiner Gestalt. In dieser Ewigkeitsverbundenheit seines Erdenauftrages erwächst er zum Propheten der Deutschen, als den er sich - wenn auch zögernd - bezeichnet hat ... Luther muss Prophet und Wegbereiter auch für die neue weltgeschichtliche Zeit des Dritten deutschen Reiches sein ... Lutherisches Christentum ist und bleibt die höchste Offenbarung Gottes in deutscher Sprache"
  • (zit. nach: Vierteljahresschrift der Luthergesellschaft, München 1933, S. 121.123).


  • 3.7.1933 - Der Bischof und spätere Erzbischof von Regensburg Michael Buchberger erklärt die Zustimmung der römisch-katholischen Kirche zur "geistigen Gleichschaltung" mit der NSDAP. In einem Brief an Adolf Hitler schrieb der Bischof: "Wir sind bereit, voll guten Willens und Loyalität ... zusammenzuarbeiten, das heißt für die geistige und moralische Gleichschaltung des gesamten deutschen Volkes auf christlicher und patriotischer Basis.“
  • (Ludwig Volk, Akten Kardinal Michael von Faulhabers 1917-1945, Kommission für Zeitgeschichte A 17, Mainz, 1975, Anlage zu Nr. 330: Buchberger an Hitler, S. 747; zit. nach hpd.de, 11.7.2013)


  • 11.7.1933 - Unter Vermittlung von Reichspräsident Paul von Hindenburg gründen alle evangelischen Kirchenführer die Deutsche Evangelische Kirche (DEK).

    1933 - Karl Todt, Direktor der evangelischen Heilerziehungs- und Pflegeanstalt der Inneren Mission in Scheuern an der Lahn, ist wie andere Diakonie-Leiter von dem neuen
  • Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses
  • begeistert und schreibt kurze Zeit später: "Wie freudig begrüßten wir die rassenpflegerischen Maßnahmen unseres Führers, die der Auftakt sind, die Übel von der Wurzel an zu bekämpfen. So stehen wir zum Dienste bereit, Handlanger zu sein am Bau des Reiches Gottes und am Bau des neuen, des Dritten Reiches"
  • (zit. nach Ernst Klee/Gunnar Petrich, Film "Alles Kranke ist Last", a.a.O.).


  • 14.7.1933 - Alle Parteien außer der NSDAP sind seit diesem Tag verboten oder haben sich aufgelöst. Deutschland ist nun auch äußerlich eine reine Ein-Parteien-Diktatur mit Adolf Hitler als Reichskanzler und dem parteilosen Franz von Papen als Vizekanzler (bis August 1934). Adolf Hitler ist bis zu seinem Lebensende Katholik wie sein Vizekanzler Franz von Papen (1879-1969), der zudem seit 1923 päpstlicher Geheimkämmerer ist sowie Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und Ritter des Malteserordens. In dieser Situation erfolgt nun die historische "Stunde" der römisch-katholischen Kirche, die weltweite Anerkennung des neuen Nazi-Deutschlands durch den Papst und die Kirche durch das Konkordat.

    20.7.1933 - Der Vatikan schließt mit dem Deutschen Reich ein Konkordat ab und sichert sich weit reichende Rechte (z. B. Selbstverwaltung, Gesetzesvollmacht, katholischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen, Schutz der katholischen Verbände und Vereine). Darin werden auch die bisher abgeschlossenen verfassungswidrigen Konkordate mit Bayern (1924), Preußen (1929) und Baden (1932) bestätigt. Für die katholische Kirche ist es "hoch erfreulich, dass endlich einmal wieder ihre hierarchische Gliederung vom Reiche gestützt und anerkannt über alle Länder von den Alpen bis zum Meeresstrand ausgebaut war", so der katholische Regierungsrat Bauer aus Nürnberg
  • (zit. nach "Im Schritt der neuen Zeit", Sonntagsbeilage der Bayerischen Volkszeitung, 17.12.1933, S. 4; zit. bei Helmut Steuerwald, Die Kirchen im Bann des Nationalsozialismus, http://www.hbb-bayern.de).
  • Bis dahin stand die römisch-katholische Kirche in Deutschland eher im Schatten der evangelischen Kirche, die seit ihrer Entstehung in Deutschland die am stärksten prägende Kraft ist.

    Michael Kardinal von Faulhaber aus München predigt von der Freundschaft zwischen der Nazi-Regierung und dem Vatikan und erklärt später, Papst Pius XI. sei "der beste Freund, am Anfang sogar der einzige Freund des neuen Reiches gewesen. Millionen von Menschen im Ausland standen lange misstrauisch dem neuen Reich gegenüber und haben erst durch den Abschluss des Konkordats Vertrauen zur deutschen Regierung gefasst"
  • (zit. nach Karlheinz Deschner, Ein Jahrhundert Heilsgeschichte, Köln 1982, S. 432 f.).


  • Anmerkung: Das Hitler-Konkordat oder Reichskonkordat mit dem "Heiligen Stuhl" ist bis heute [2014] in vollem Umfang auch weiterhin in der Bundesrepublik Deutschland gültig. Das von Kirchenmitgliedern in Richterroben besetzte Bundesverfassungsgericht hatte am 26.3.1957 entschieden, dass das Reichskonkordat am 12.9.1933 durch Bekanntmachung im Reichsgesetzblatt durch Reichskanzler Adolf Hitler, Außenminister (und späteren Kriegsverbrecher) Freiherr von Neurath und Innenminister (und späteren Kriegsverbrecher) Wilhelm Frick im Rahmen des nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetzes vom 24.3.1933 zur Abschaffung der Republik und Errichtung der Diktatur gültig zustande gekommen sei und folglich auch für die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland verbindlich und gültig sei.

    16.12.1933 - Der Leiter der evangelischen Apologetischen Centrale, Walter Künneth weiß sich "in der Ausschaltung des jüdischen Einflusses im Volksleben" "einig" mit Adolf Hitler. Gleichzeitig will der oberste evangelische Sektenbeauftragte auch andere religiöse und politische Minderheiten "ausschalten" lassen.

    1934

    10.2.1934 - Landesbischof Hans Meiser zur Eingliederung des Evangelischen Jugendwerkes in die HJ (= Hitlerjugend) bzw. in den BDM (= Bund Deutscher Mädel):
    Einverständnis-Erklärung der Eltern: "Ich erkläre hiermit mein Einverständnis, dass mein(e) Tochter / - Sohn ... Mitglied des ... Jungschar, Jungvolk im Verband des ... die Doppelmitgliedschaft in der Hitlerjugend eingeht. Ich habe davon Kenntnis genommen, dass er (sie) an den wöchentlichen Pflicht-Bibelabenden ... teilzunehmen hat ..."
    "Wir sind uns alle der Verantwortung bewusst, die wir an unserer Jugend vor Gott haben. Viel treue Arbeit ist in all den Jahrzehnten zum Besten unserer evangelischen Jugend geleistet worden. Das sei dankbar anerkannt. Wir wollen nun erst recht treu arbeiten, mit Hingabe und Freudigkeit die neuen Aufgaben in Angriff nehmen ... München, den 10. Februar 1934 - Der Landesbischof - D. Meiser"(Amtsblatt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern Nr. 4 vom 12. Februar 1934).

    1934 - Der Theologe Walter Künneth, als Leiter der Apologetischen Centrale eine Art "Sektenbeauftragter", gibt das Buch
  • Die Nation vor Gott
  • heraus. Darin schreibt Künneth:
    "Dem nationalen Staat ist grundsätzlich nicht bloß das Recht, die Judenfrage zu einem Problem staatspolitischer Neuordnung zu machen, zuzugestehen, sondern diese Selbstbesinnung auf die Eigenart des deutschen Volkstums ist von der Kirche entsprechend ihrem Ja zu den Ordnungen Gottes, als die Rasse und Volkstum begriffen werden müssen, zu begrüßen ... so erst recht im deutschen Volke, in dem der jüdische Einfluss schon seit Jahrzehnten derartig überhand genommen hat, dass die Gefahr der Überwucherung des deutschen Geisteslebens und der Überfremdung der deutschen Öffentlichkeit nicht mehr zu leugnen waren ... Die Kirche weiß, dass der Staat das Schwertamt zu führen hat. Dieses Amt bedeutet Härte und Strenge. Die Kirche kann und will dem Staat in der Ausübung dieses Amtes nicht in den Arm fallen."

    Künneth wiederholt damit sinngemäß Aussagen seines wegweisenden Gutachtens von 1933, Die Kirche und die Judenfrage, und er führt dann aus, warum sich die evangelische Kirche in der Judenfrage mit Hitler einig ist:
    "Die Kirche hat sich darum in ihrer vollen Autorität um des inneren und äußeren Ansehens des Staates willen dafür einzusetzen, dass die Ausschaltung des jüdischen Einflusses im Volksleben sich in einer Weise vollzieht, die dem christlichen Ethos, zu dem der Staat wiederholt ein freudiges Ja gesprochen hat, nicht widerspricht. Sie weiß sich in dieser Meinung mit dem Willen des Reichskanzlers (= Hitler) einig, der deutlich zum Ausdruck brachte, dass ein stolzer Sieger frei ist von Hassgefühlen und Racheinstinkten"
  • (Künneth, Die Nation vor Gott, Berlin 1934, S. 119 f.135; zur angeblichen "Überwucherung").


  • Im selben Buch wendet sich Künneth gegen einen christlich begründeten Pazifismus. "Der ´christliche` Pazifismus steht in Gefahr, ... die Reinheit der evangelischen Botschaft zu trüben ... Auch die Kampfgesetze der Geschichte tragen Spuren der schöpferischen Lebendigkeit"
  • (S. 277 f.).
  • 1936

    28.5.1936 - Die
  • Vorläufige Kirchenleitung der Bekennenden Kirche
  • beklagt in einer geplanten Denkschrift an Hitler zahlreiche Einschränkungen der kirchlichen Arbeit.

    In einem der Abschnitte kritisiert sie, dass Hitler die religiöse "Würde des Volkspriesters" zukommt, "ja des Mittlers zwischen Gott und Volk".

    Anmerkung: Die Mittlerschaft zwischen Gott und Volk hatten sich seit Jahrtausenden nur die Priester und Pfarrer selbst zugesprochen. Jesus von Nazareth sprach davon aber nicht. Nach der Lehre des Jesus, des Christus, braucht der Mensch keinen Mittler zu Gott, das Reich Gottes sei "in" jedem Menschen selbst.

    Juni 1936 - Die ursprüngliche Fassung der Denkschrift vom 28.5.1936 wollte Hitler auch darauf hinweisen, dass "ein Antisemitismus", "der zum Judenhass verpflichtet", gegen das christliche Gebot der Nächstenliebe verstößt
  • (zit. nach Denzler/Fabricius, a.a.O., S. 160 f.).
  • Doch die Bekennende Kirche streicht den Satz für die nachfolgende Kanzelabkündigung heraus. Ebenfalls herausgestrichen wird die Passage über das Leid in den KZs.

    1936 - Das
  • Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern
  • veröffentlicht ein Gebet Adolf Hitlers unter der Überschrift
  • Ein Wort des Führers:

  • "Herr, du siehst, wir haben uns geändert. Das deutsche Volk ist nicht mehr das Volk der Ehrlosigkeit, der Schande, der Selbstzerfleischung, der Kleinmütigkeit und Kleingläubigkeit. Nein, Herr, das deutsche Volk ist wieder stark in seinem Willen, stark in seiner Beharrlichkeit, stark im Ertragen aller Opfer. Herr, wir lassen nicht von dir. Nun segne unseren Kampf um unsere Freiheit und damit unser deutsches Volk und Vaterland"
  • (S. 158).


  • Adolf Hitler kritisiert die Enzyklika und weist im Gegenzug u. a. auf die pädophilen Verbrechen in der Kirche hin. Adolf Hitler wörtlich: "Es geht auch nicht an, von dieser Seite aus die Moral des Staates zu kritisieren, wenn man selbst mehr als genug Grund hätte, sich um die eigene Moral zu kümmern"
  • (zit. nach einestages.spiegel.de, 14.3.2012).
  • Nachdem der Staat bereits seit 1936 das Ausmaß der Pädophilie in der Kirche nicht mehr duldete und eine Reihe von Prozessen gegen "sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen" in der Kirche anstrengte, werden diese Maßnahmen nach Verlesung der Enzyklika verstärkt. Der Staat lässt der Kirche nicht mehr durchgehen, dass es sich hier angeblich nur um Einzelfälle handele, sondern spricht von einer "symptomatischen Erscheinung"
  • (Wikipedia)
  • . Es beginnen nun auch weitere "Sittlichkeits- und Unterschlagungsprozesse" gegen einzelne Priester und Ordensleute. In Koblenz lässt man z. B. 170 Franziskaner wegen homosexueller Prostitution und Pädophilie verhaften, wörtlich wegen "Verführung Jugendlicher und Verwandlung des Klosters in ein Bordell für Männer".

    1937

    1937 - Auch die beiden später prominenten Kirchenführer Otto Dibelius (Ratsvorsitzender der EKD von 1949-1961) und Martin Niemöller (Präsident der Evangelischen Kirche von Hessen-Nassau 1947-1966) fordern in ihrem Buch
  • Wir rufen Deutschland zu Gott
  • die Reinhaltung des Blutes:
    Im Eingangskapitel heißt es zunächst über Italien: "Der Faschismus hat von Anfang an eine positive Einstellung zum Christentum genommen"
  • (S. 13).
  • Und dann weiter über die Deutschen: "Dass wir der Stimme unseres Blutes treu bleiben und damit Gottes Willen erfüllen - darauf kommt es an. Das bedeutet zunächst, dass wir unser Blut rein halten"
  • (S. 26, zit. nach idea-spektrum Nr. 32/33/2006).


  • Ein evangelisch-lutherischer Oberkirchenrat der Bekennenden Kirche: "Die Juden gehören hinausgepeitscht!"

    1937 - Der evangelisch-lutherische Kreisdekan und Oberkirchenrat D. Otto Bezzel aus Bayreuth, der der Bekennenden Kirche und dem Führungsstab Meisers in München angehört, fordert in einer Predigt in der Erlöserkirche in Bamberg: "Die Juden sind die Zerstörer und gehören hinausgepeitscht"
  • (zit. nach Evangelisches Sonntagsblatt in Bayern Nr. 42/1988, S. 15).
  • Von einer Beanstandung der Forderung durch den Landesbischof ist nichts bekannt. Ca. ein Jahr später beginnt mit der Reichspogromnacht das "Hinauspeitschen" der jüdischen Mitbürger.

    Zu Beginn des Jahres 1937 hatte Landesbischof Meiser sein Gutachten zur Judenfrage von 1926 erneut versenden lassen. Darin wendet auch er sich deutlich gegen Ehen zwischen Deutschen und Juden. Meiser wörtlich: "Gott hat jedem Volk seine völkische Eigenart und seine rassischen Besonderheiten doch nicht dazu gegeben, damit es seine völkische Prägung in rassisch unterwertige Mischlingsbildungen auflösen lässt ..."

    1938

    18.5.1938 - Landesbischof Meiser erlässt aufgrund des kirchlichen "Ermächtigungsgesetzes" von 1933 freiwillig und ohne dazu gedrängt zu werden ein Kirchengesetz über den Treue-Eid der Pfarrer auf Adolf Hitler. Das Ermächtigungsgesetz ermöglicht es Meiser seit 1933, kirchliche Gesetze ohne Zustimmung zu erlassen oder zu ändern. Das Kirchengesetz lautet:
    "Die Pfarrer der bayerischen Landeskirche haben als Träger eines öffentlichen Amtes folgenden Eid zu leisten:
    ´Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe ...` Das Gesetz tritt sofort in Kraft. Ev.- Luth. Landeskirchenrat; D. Meiser."

    Anmerkung: Der Treue-Eid auf Hitler wird in allen evangelischen Kirchen als neues Gesetz eingeführt - auch in denen, wo die Kirchenleitung überwiegend zur "Bekennenden Kirche" gehört. Theoretisch ergänzt er den formalen Treue-Eid auf "Christus", praktisch ersetzt er ihn, da man ja nicht gleichzeitig Christus und Adolf Hitler gehorchen kann.
    Außerdem verlangen alle evangelischen Kirchen von den Pfarrern einen Ariernachweis, auch wenn einige den Arierparagraphen nicht offiziell einführen.

    12.11.1938 - Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben, z. B. in Nürnberg: "Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland am 8., 9., und 10. November 1938 an jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnungen entstanden sind, sind von dem jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen. Die Kosten der Wiederherstellung tragen die Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbebetriebe und Wohnungen"
  • (zit. nach: Juden in Nürnberg, Presse- und Informationsamt 1993, S. 54).


  • In Bamberg und anderen Orten müssen die Israelitischen Kultusgemeinden auch den anschließenden Abriss ihrer demolierten und verkohlten Synagogen bezahlen.
    An Luthers Geburtstag brennen die Synagogen - ein evangelisch-lutherischer Landesbischof sieht darin die "Krönung" eines "gottgesegneten" Kampfes.

    23.11.1938 - Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach schreibt auf Seite 2 im Vorwort seiner Neuauflage von Martin Luthers Schrift
  • Von den Juden und ihren Lügen
  • mit dem Titel
  • Martin Luther über die Juden - Weg mit ihnen! (Freiburg 1938)


  • "Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volke wird zur Sühne für die Ermordung des Gesandtschaftsrates vom Rath durch Judenhand die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt ... In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden ..."

    1939

    Bekennende Kirche: Ernste Rassenpolitik zur Reinhaltung unseres Volkes erforderlich

    31.5.1939 - Die Bekennende Kirche unter der Federführung der Landesbischöfe Hans Meiser und Theophil Wurm gibt als Antwort auf die Godesberger Erklärung der Deutschen Christen vom 4.4.1939 eine eigene öffentliche Erklärung heraus, in der es heißt: "Die Evangelische Kirche ... fordert von ihren Gliedern treuen Dienst in dieser [staatlichen] Ordnung und weist sie an, sich in das völkisch-politische Aufbauwerk des Führers mit voller Hingabe einzufügen." Weiter heißt es darin: "Im Bereich des völkischen Lebens ist eine ernste und verantwortungsbewusste Rassenpolitik zur Reinerhaltung unseres Volkes erforderlich"
  • (zit. nach Hans Erler, Ansgar Koschel, Der Dialog zwischen Juden und Christen, Frankfurt am Main, New York 1999, S. 135 f.).


  • November 1939 - Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Adolf Hitler am 8.11.1939 durch Georg Elser im Bürgerbräukeller in München [stattdessen starben versehentlich acht Anhänger Hitlers] läuten in ganz Deutschland die Kirchenglocken zu "Dankgottesdiensten" für die Bewahrung des Führers. "Nuntius Cesare Orsegnio überbringt die persönlichen Glückwünsche von Papst Pius XII."
  • (Evangelisches Sonntagsblatt Nr. 46, 15.11.2009).
  • Adolf Hitler und die Parteispitze der NSDAP hatten den Versammlungsort wegen schlechten Wetters früher als geplant verlassen, um zurück nach Berlin zu reisen.

    Speziell die "Bekennende Kirche" ist entsetzt über das Attentat und lässt in ihrem Organ Junge Kirche z. B. verlauten: "Der frevelhafte Anschlag auf das Leben des Führers in München hat ... alle Kreise des deutschen Volkes mit tiefem Entsetzen und Empörung erfüllt ... Im Interesse des ganzen deutschen Volkes und aller Aufrechtdenkenden in der Welt liegt es, dass die Urheber des Attentates gefunden und gerecht bestraft werden und dass es gelingt, die intellektuellen Anstifter nachzuweisen ... Im Verfolg dieses Attentates hat sich das nationalsozialistische Deutschland noch fester und zum Siege entschlossen um seinen Führer geschart"
  • (Junge Kirche, zit. nach idea-spektrum Nr. 31/32/2006).


  • 1940/1942

    26.6.1940 - Landesbischof Meiser und der evangelische Landeskirchenrat rufen die Gemeinden dazu auf, "Adolf Hitler, dem Schöpfer und obersten Befehlshaber der sieggekrönten Wehrmacht", zu danken und für einen "baldigen Endsieg" zu beten
  • (Amtsblatt für die Evang.-Luth. Kirche in Bayern rechts des Rheins).


  • 31.12.1942 - Wie zahllose andere evangelische Pfarrer mobilisiert ein Pfarrer aus Oberfranken die Kirchengemeinde in seiner Silvesterpredigt für den Einsatz an der Ostfront
  • (nach Mensing, a.a.O., S. 208).
  • Ich möchte hiermit diesen Überblick beenden. Ich möchte Ihnen mit auf dem Weg geben, daß sie wahrscheinlich bei sich zu Hause auch Ordnung und Sauberkeit halten. Sich nie mit Menschen Freizeit verbringen, bei denen sie sich unwohl fühlen oder auf Grund ihrer Art, ihren Charakters den Umgang mit diesen Menschen von vornherein ablehnen. Das von mir geschriebene kann nur auf Menschen zutreffen, die eine eigene Wertigkeit und ihre Natürlichkeit bewahrt haben. Wert im Heute und Natur im Lichte des heute, damit ihnen die Bedeutung der Worte noch deutlicher werden und diese nie als einfach dahingesprochen ansehen. Wer diese Wertigkeit und diese naturgegebene Ordnung der Mitwelt und des Menschen in Frage stellt und an derer Stelle eine von Menschen geschaffene Ordnung stellt, ist entweder noch in Entwicklung, beeinflußt oder hat möglicher Weise auch einen Vorteil dadurch. Hierzu können sie auch die Gedanken zur Demokratie aus dem Dokument IchbinDu nachlesen. Dieses ist sehr aufschlußreich aus meiner Sicht. Die weiteren Gedanken zu der Evangelischen Kirche. Hier bitte weiterlesen den Artikel. Weitere sehr interessante Artikel zum Glauben der Kirche.Hier bitte weiterlesen den Artikel. Die weiteren Gedanken zur Deutschen Nation.
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